Die Geschichte von Sargnagel


Nicht weit von dort, wo sich nun Lycor's Turm befindet, trug sich zur Daemmerung der Regentschaft von Fridericus II, zu der Zeit der Orkkriege, eine kleine, dramatische Schlacht zu. Keine Schlacht von - fuer die Betroffenen einmal abgesehen - epischer, historischer Tragweite, nein, ein kleine aber dramatische Schlacht am Fusze des Nordrueckens. Eine Schlacht um einen kleinen Auszenposten. Ein Tropfen in dem immer voller werdenden Fass namens Anorien. Nicht der Tropfen, der es zum Ueberlaufen brachte... Abermals nein. Zum Ueberlaufen brachten dieses Fass die Buerokraten, indem sie eimerweise zaehe Traegheit und sinnlose Zahlenspielerei ueber nicht enden wollende Befehlsketten hineingossen.
Dieser Auszenposten wurde von fuenfundzwanzig tapferen Maennern und Frauen gegen einen Trupp von ueber vierzig marodierenden Gruenhaeuten gehalten. Nun, zumindest eine gewisse Zeit lang. Der eilends verfasste Hilferuf, basierend auf den Berichten von Spaehern, gelangte schnell und frueh genug in der Windfeste ein. Rechtzeitig um Unterstuetzung bis nach Hochwalden in die Baronie Alpig gelangen zu lassen. Ungluecklicherweise verirrte sich der Hilferuf in den Amtszimmern der Windfeste. Wurde von Offizier zu Offizier, von Sekretariatsgehilfen zu Vorzimmerdamen weitergereicht, mit Stempeln und Siegeln versehen, mehrfach abgeschrieben und katalogisiert, erfasst und landete schlieszlich im Keller, ohne je Beachtung in den groszen Sandkaesten der Generaele zu erlangen. Ironischerweise ein Regal weiter wie die Abschrift des Befehles, die Abloese just ebenjenes Auszenpostens (welche von der Unterstuetzung abgesehen nur 10 Tage spaeter aufgebrochen waere...) an die Westgrenze zu verlegen und den Auszenposten selber aufzuloesen, um die fuenfundzwanzig Soldaten ebenfalls an der Westgrenze zu stationieren. da ja von Norden her ohnehin keine Gefahr drohe.
Dieser Befehl haette die fuenf ueberlebenden Soldaten zwei Monde spaeter erreicht, waere der Bote nicht von den Orks abgefangen und aufgegessen worden. Die Zahl der Orken war, trotz nicht unbetraechtlicher Verluste, auf nun dreiundfuenfzig angewachsen. Nicht ueberraschend, kommunizierten doch die Spaeher der verschiedenen, aus den Mittellanden vertriebenen Trupps zwanglos miteinander, erstatteten Bericht und so fanden die versprengten Einheiten rasch wieder zusammen. Unter den Ueberlebenden des Auszenpostens befand sich eine junge Frau. Eine huebsche Kriegerin im Fruehling des Lebens, frisch von der Akademie in der Windfeste hierher in den Norden versetzt. Eine der besten ihres Jahrganges, die Inkarnation von Tatendrang, Optimismus, voll von Vertrauen in sich selbst und in die Truppe. Nun, man kann ungelogen behaupten, dass Magdalena Sargenna das Zeug dazu gehabt haette, eine Legende zu werden. Dumm nur, dass sie ihr Leben in einer Gegend aushauchen wird, die man in den Amtstuben und Kriegssaelen der Windfeste uebereinstimmend unter Auswertung aller eingelangten Informationen als ungefaehrdet deklarierte.
Wirklich ungefaehrdet waren aber nur der Westen und ein Teil der Grenze zum gefallenen Fuerstentum Drachenstein. Und dies nur deswegen, weil die sich immer mehr organisierenden Orks schlichtweg nicht dumm genug waren, sich gegen das Buendnis der Elfen und Zwerge zu stellen, die den Wald Calenbār und den vorgelagerten Gamul Goraz - Ruecken bedingungslos hielten, unterstuetzt von einigen menschlichen Deserteuren, die die Schnauze voll hatten, auf Befehle zu warten, die erst in der Windfeste auf ihre Formulierung warteten. Diese Deserteure waren es auch, die es schafften, die ansaessigen Braunhaeute davon zu ueberzeugen, dass es unklug waere, sich von marodierenden und pluendernden Gruenhaeuten unterjochen zu lassen. Ein wahrer Jammer, dass Magdalena in ihrer kleinen Trutz zusehen musste, wie Ork um Ork an ihr vorueber gen die Gelsensuempfe zog, stetig ihren Kameraden Mut zusprechend und auf die baldig ankommen muessende Unterstuetzung verweisend. Ein Jammer, dass sie nicht zu den Deserteuren im Westen gehoerte, von denen heute noch an Lagerfeuern und an Kinderbettchen erzaehlt wird. Denn mittlerweile waren sie und Jaren, auch gerade von der Akademie abgegangen, Pedro Rizzi, ein alter Veteran und Giuseppe Wulferino, der schmaechtige, aber immer heitere Mann von der Kueste, zu bloszen Versuchsobjekten fuer die frisch gefertigten Orkpfeile verkommen. Lange schon war es keine Belagerung mehr. Der Auszenposten in Alpig war zu einem unterhaltsamen Treffpunkt fuer die stetig von Nordwesten ins Land stroemenden Orks und wilden Mannen geworden, die hier - voller Hass auf die sie mehr und mehr zu den Kuesten und in die Einoeden draengenden Mittellaender - ein wenig erfrischende Vergeltung ueben konnten, bevor sie weiter zogen, um in den Ebenen noerdlich des blauen Flusses zu einer gewaltigen, rachedurstigen Armee anzuwachsen. An dem Abend, kurz nachdem sie Pedro's Pfeilwunden notduerftig versorgt und Giuseppe beerdigt hatte, aus dessen Stirn ein plumper, schwarzer, lieblos befiederter Schaft ragte, weinte Magdalena. Sie weinte heimlich. Ganz hinten im Stall der Trutz. Im Dunkeln. Es waren lautlose Traenen, hie und da von einem herunter gewuergten Schluchzer unterbrochen. Niemand sollte sehen, dass nun auch sie gebrochen war. Das auch ihre Hoffnung von schweren, genagelten Orkstiefeln zertrampelt worden war. Sie wollte nur etwas von ihrer Verzweiflung mit dem salzigen Nass ihrer Augen aus ihrem Kopf schwemmen, bevor sie wieder nach drauszen gehen konnte, um ihren Kameraden wie jede Nacht Mut zu zusprechen. Und in ihrer Verzweiflung liesz sie sich zu einem verhaengnisvollen Schwur hinreiszen. Sie schwor bei Mara, nicht eher zu ruhen, bevor ihr junges Kriegerleben nicht einen Sinn ergeben hatte. Bevor Ihr Kriegerdasein nicht eine Berechtigung gefunden hatte. Seien es die Goetter, sei es etwas, das Schicksal genannt wird. Erachte man es als grausam oder sieht man in Allem einen Sinn. Der Schwur wurde eingefordert.
Drei Sonnenlaeufe nach diesem Abend, in der Daemmerung, zogen die Orks und die Wilden weiter. Die Trutz brannte auf die Grundmauern nieder und es war niemand da, der nun seinerseits die abgenagten Knochen von Magdalena Sargenna beerdigen konnte.

Nun kann man fragen, warum die Geschichte Magdalena's und ihrer Kameraden dennoch erzaehlt wird, obwohl ihr Tod voellig unbeachtet und ohne Sinn von Statten ging. Wo doch niemand da war, einen Bericht zu verfassen und alle Verwandten, Freunde und Bekannten, die sich fragen konnten, was wohl aus jenen geworden sei, die da in Alpig stationiert waren, sich selbst in Massengraebern oder auf Scheiterhaufen wieder fanden, nachdem ein wilder Sturm in Form von schartigen Schwertern, Aexten und dornenbewehrten Keulen ueber die Windfeste hinweggetobt war. Nun, dafuer gibt es eine einfache, nichtsdestotrotz aber mystische Erklaerung. Yeridon Gemiol, mein Meister und Mentor, liesz sich vor geraumer Zeit in Lycor's Turm nieder, um dort meine Ausbildung voranzutreiben und sein eigenes Wissen zu vertiefen. Und Lycor's Turm befindet sich ja, wie bereits erwaehnt, just in der Naehe dieses mit Tragik behafteten Ortes. Und auf seinen Spaziergaengen, die er dazu nutzte, alleine und in Ruhe ueber dieses und jenes nachzugruebeln, gelangte er in der Daemmerung an einen ueberwucherten Steinhaufen am Rande des Weges zum Dingsbumspass. Im hereinbrechenden Zwielicht, zur magischen Stunde, loeste sich eine schemenhafte Frauengestalt aus dem Haufen, der einmal ein Haus, eine Mauer oder gar ein Turm gewesen sein koennte. Die Gestalt, leicht geruestet und einen wallenden, verwaschen-roten und weiszen Wappenrock tragend, focht einen Kampf gegen unsichtbare Gegner. Einen kurzen, grausamen Kampf, in dem sie, mit wuchtigen Pfeilen gespickt und aus zahlreichen Wunden blutend verging. Hernach verblassten die Wunden und die Pfeile, die Gestalt setzte sich auf einen Stein und begann bitterlich zu weinen, nur um kurz darauf zu verschwinden, gerade da das Zwielicht dem beginnenden Dunkel der Nacht wich. Entweder ist es so, dass mein Meister wirklich der erste war, welcher seit der Ursache des Spukes genau in der kurzen Zeitspanne an diesem Ort vorueberschritt, oder aber er war der erste, der nicht voller Furcht im aberglaeubischen Herzen floh, um nie wieder an dieses grausige Schauspiel denken zu muessen. Zwar ist das Metier meines Meisters der Kampf und der Bann, aber die uns wohl alle innewohnende Neugier war geweckt und ich durfte ihn am naechsten Tage begleiten. Und tatsaechlich konnte auch ich Zeuge dieser ungewoehnlichen Erscheinung werden. Dass huebsche, doch voller Traurigkeit gramerfuellte Gesicht der Toten ruehrten mein Herz und verdammten mich zu untaetigem, unglaeubigen Staunen. Mein Meister jedoch, er versuchte sie zu beruehren, mir ihr zu sprechen, wob einen Analysezauber und nutzte jeden der Augenblicke bis zum Verschwinden des Spukes, so er nicht gerade kurz ueber einen Spruch gruebeln musste. Doch nichts war von Erfolg gekroent. Keine Reaktion konnten wir provozieren, so sehr wir uns auch an den folgenden Abenden muehten. Nirgends konnten wir des Tages und der Naechte etwas in den umfangreichen Aufzeichnungen des Erzmagus Lycor Onyxauge ueber diese Erscheinung finden. Erst Diskussionen mit den anderen Wissen Suchenden des Turmes und dem Ratschlag eines kuerzlich angereistem Daemonologen namens Arden Rauchgrau, den Namen der verirrten Seele herauszufinden, halfen uns weiter.
So reisten wir in die Stadt Windfeste, wo nun allerorten gebaut und errichtet wird. Und in besagtem Keller fanden wir unter den nicht verbrannten Hinterlassenschaften der Buerokraten den in aeltestem, knochentrockenem Amtsanorisch (welches jede, elendslange Abhandlung ueber die richtige Herstellung der Ritualkreiskreide spannend wie ein Heldenepos erscheinen laesst) verfassten Befehl zur Aufloesung des Alpiger Auszenpostens. Und ein Regal weiter den Hilferuf aus dieser Zeit, hinten an eine Abschrift geheftet, auf welcher mit groszen Lettern "Ablage" stand. 22 Maenner waren dort stationiert und 3 Frauen. Eine Freifrau Geralinde von Zugig, eine gewisse Joseffa Wildholzrechen und natuerlich Magdalena Sargenna.
Und dann, am dritten Abend, da wir unser Wissen zu verwenden suchten, bekam der kauzige Arden Recht. Die Gestalt blickte von ihrem traenenverhangenen Sitzplatz auf und sah uns erstaunt an. Und dort blieb sie auch die ganze Nacht und im milden Dunkel des Sternenzeltes wurde sie weniger durchscheinend und das schwache Leuchten ihrer Aura unterstrich die atemberaubende Schoenheit dieser jungen Frau. Mit trauriger, aber fester Stimme trug sie die tragischen Geschehnisse dieses Ortes vor, ohne auszuschmuecken oder zu beschoenigen und dennoch haette jeder Geschichtenerzaehler drei Finger fuer diese Erzaehlung gegeben, denke ich. Erst zur Morgenroete begann sie wieder zu verblassen, uns winkend. Mit ein wenig Erleichterung im Gesicht, wie ich mir gerne vorstelle. Es ist ja so, dass ich mit dem Gluecke - oder wie immer man es nennen mag - gesegnet bin, dass mein Meister ein herzensguter Mensch ist. Eine Seele von einem Manne ist er, wie man sie bei unsereins nur ganz, ganz selten findet. Und so gruebelte er nun nach, wie wohl Magdalena zu helfen sei. Wie sie wohl ihre Bestimmung faende.

Kampf und Bann, das Metier meines Meisters. Und auf einem Bein kann man nicht stehen, sagt er immer und das nicht nur in einer Taverne. So verliesz er sich nicht nur auf die Magie, auf das Weben der arkanen Faeden, sondern verstand es auch, mit dem Schwerte umzugehen. Und ich muss sagen, ein wenig fuerchte ich mich vor Alter und Weisheit. Denn es ist wohl allen Alten, der Magie Kundigen beschieden, furchtbar schusselig zu werden. Und so ging er Schwert um Schwert verlustig. Zumeist, wenn er in der Taverne nicht auf nur einem Beine stehen wollte, sondern der Sicherheit halber auf fuenfen oder sechsen. War ich zugegen, war das nicht so schlimm, meistens dachte ich fuer ihn an seine Waffe, obschon ich meinem Meister nichts nachstehen wollte und er auch meist recht spendabel war. Aber war ich nicht zugegen und ich musste ja auch oft meine Naechte im Studierzimmer verbringen, da ist er unerbittlich. So kam ihm dann der Gedanke, dass man a) ein Schwert braeuchte, welches einen an es erinnert, dass es b) den unbefugten Zugriff verhindert, weil gestohlen wurde dem guten Yeridon auch die eine oder andere Klinge, und bei c) machte er einen Gedankensprung und erlaeuterte, dass es doch die Erfuellung einer Kriegerseele sein muesse, eine Waffe an sich zu werden.

Lange Zeit schon wurden in Lycor's Turm keine Artefakte mehr erschaffen. Tage- und naechtelange Dispute und Diskussionen fanden nun im Ritualraum, ganz oben im Turm, wo wir Lehrlinge keinen Zutritt haben, statt und es war es mir einen Mond lang beschieden, naechtens mit Magdalena zu sprechen und sie zu troesten. Des Tages schickte mich mein Meister oft, Besorgungen zu machen. Seltene Komponenten, die im Turm nicht vorraetig waren, galt es zu erlangen aber im Gegensatz zu meinen Studienkollegen wurde mir stets der Stand der Dinge mitgegeben, dass ich auf dem Wege darueber nachgruebeln koenne und auch um ihn an den freien Abenden Magdalena mitteilen zu koennen. Nun, so richtig anfreunden wollte sie sich nicht mit dem Gedanken, in den Stahl einer Klinge zu wandern, befuerchtete sie doch, dass ihr Leid so noch weiter und ohne Erloesung in die Ewigkeit verlaengert wuerde. Erst als sich Yeridon endlich die Zeit nahm, sich wieder selbst mit ihr zu treffen und ihr seine Theorie erlaeuterte, dass aus der Erfuellung eines Kriegerdaseins mittels Transfusion in einen Gegenstand, dessen einziger Sinn und Zweck der Kampf ist, einen gewisser, erloesender Effekt resultieren muesse, willigte Magdalena ein. Und das erste Mal wurde ich der Hoffnung und des Vertrauens gewahr, die sie auszustrahlen vermochte, wie ich es ja nur aus ihren Erzaehlungen her kannte. Und so trafen Yeridon Gemiol, Meister der Kampf- und Bannmagie, Arden Rauchgrau, Meister der Daemonologie und der Beschwoerung, Xanthus Silbersee, Heil- und Schutzmagier und der einzige Elb der im Turme wohnt, Mur'ahab Marno, ein Meister der Elemente aus dem Osten, Gisbert von Ginsterfeld, Ritualmeister und Lehrer der angewandten Magiekunde zu Finsterfels und schlieszlich Adalbert Siebenstaetter, Meister der Kampfmagie, Stratege, Astrologe und Zukunftsforscher die Vorbereitungen fuer ein Ritual. Rasch waren auch ein paar Soeldlinge und Abenteurer gefunden und wie ueblich waren diese tumben Ungebildeten auch bereit, fuer ein paar Silberlinge den aeuszeren, offenen Ritualkreis zu schuetzen.

Abhandlung eines Rituals zur Bindung einer an einen Ort mit drei arkanen Kreuzungen und ueberlappenden Sphaeren gefesselten Seele in unbelebte Materie, sprich in ein kristallenes Gefaesz, gefuellt mit Goldstaub.


Tatsache ist, dass am naechsten Abend zur magischen Stund' sich kein Spukgebilde mehr manifestierte. Es war ja zu befuerchten, dass der verstorbene Alrik nun fortan mit oder an Magdalena's Statt an diesen Ort gebunden war. Den Goettern sei Dank war dem aber nicht so und es ward der erste Schritt mittels des Rituals erfolgreich getan. Nachdem wir auch noch am zweiten Abend nach dem Ritual sicherheitshalber bei der Ruine des alten Alpiger Auszenpostens weilten, brachen wir dann am naechsten Morgen gen Breitenstein auf, eine kristallene Phiole voller Goldstaub und der befreiten Seele Magdalena's im Gepaeck, so war zu hoffen. Breitenstein ist eine schoene Stadt, voller Leben, auch wenn Zartbesaitete vermeinen moegen, das die Feste hoch oben am Berge einen allzu langen Schatten auf die Haeuser und ins Tal wirft. Und Breitenstein beherbergt die beste Ruestungs- und Waffenschmiede, wie Yeridon behauptet, naemlich die Schmiede des Zwerges Ferin Bartaxt, Sohn des Feodor Bartaxt. Tatsaechlich zieren den Verkaufsraum der Schmiede praechtige Schilde, edles Ruestzeug und elegante Klingen, sowie wuchtige, massive Aexte, sofern man meinem Urteil trauen mag, vernachlaessige ich doch den Umgang mit dem Stahl straeflich, wie mein Meister meint. Leider wurde mir verwehrt, die folgende Nacht und den folgenden Tag und die darauf folgende Nacht Ferin's Schmiede zu betreten. Der Zwerg und mein Meister haben sich mit einem groszen Fass Bier, kaltem Braten und vier Laib Brot in der glutheiszen Werkstatt verbarrikadiert.
So kann ich nur nach dem aufmerksamen Lauschen der Ausfuehrungen meines Meisters Yeridon Gemiol und den gebrummelten Einwuerfen des Meisterschmiedes Ferin Bartaxt die Geschehnisse der letzten 49 Stundenglaeser wiedergeben.

Abhandlung ueber die Erschaffung eines beseelten Artefaktes von dauerhaft innewohnender Magie, sprich eines anderthalbhaendigem Bastardschwertes.


Und das Ergebnis der Muehen kann sich sehen lassen. Die bruenierte, blattfoermige Klinge wirkt trotz ihrer Reichweite elegant. So, als sei sie fuer einen uebergroszen, kraeftigen Elfen gefertigt worden. Auch der erloesende Effekt, ueber den mein Meister so ausfuehrlich theoretisiert hat, ist nicht ausgeblieben, wie ich bestaetigt fand, da ich gelernt habe, die Stimme des Schwertes zu vernehmen. Der Seele wurde von Mara, oder dem Schicksal oder einer anderen Macht, die den Schwur Magdalena's eingefordert hatte, mildes Vergessen geschenkt. Das Schwert hat ein eigenstaendiges Bewusstsein, es mag eine Reinkarnation Magdalena Sargenna's sein, doch darueber lasse ich lieber Theologen urteilen. Tatsache ist, dass Sargnagel, so tauften Yeridon und Ferin diese edle Klinge, nur Erinnerungen an Geschehnisse, die nach dem Erkalten der gueldenen Runen oberhalb ihres Heftes stattfanden, besitzt. Sei's wie es sei. Ich verneine, dass es reines Wunschdenken ist, da ich gewisse Wesenszuege einer vor langer Zeit gefallenen, huebschen, jungen Kriegerin zu erkennen vermag.

Niedergeschrieben im Jahre 187 n.F.F.
Getreulich und wahrhaftig von Mario Carpesci, Student der arkanen Kuenste


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